Bild der Woche

Artikel der Woche

Rekommunalisiert die Kliniken! Ist das deutsche Gesundheitssystem gut gerüstet für die Bewältigung der Herausforderungen, die mit einer unvorhersehbaren Anzahl von Kranken im Katastrophenfall oder im Rahmen der derzeitigen Pandemie mit dem neuen Coronavirus auf uns zukommen können? Diese Frage bewegt viele in unserem Land; Bundesesundheitsminister Jens Spahn lässt keine Gelegenheit aus, das deutsche Gesundheitssystem als eines der besten weltweit zu preisen und uns alle zu beruhigen nach dem bekannten Motto: „Wir schaffen das!“

 

Ansicht
Seite 1

Würdigung von Leuten in diesen Zeiten -- echt Wirtschaft

DruckversionDruckversionSend to friendSend to friend

Schleiferei besteht 112 Jahre

Kleine Unternehmen, Läden mit Handwerk prägen das urbane Leben der Stadt auch und gerade in Zeiten von Internet und großer Filialisten. Die Schleiferei mit Laden in der Neundorfer Straße 44 ist so ein wichtiges Kleinod, sie besteht 2020 seit 112 Jahren. Der Scheren – und Messerschleifer Marco Lorenzi führt das Geschäft in vierter Generation.

Plauen – Die Tür des Ladens geht auf, die Glocke an ihr bimmelt wie in einem alten DEFA-Film, der Kunde betritt das Geschäft und blickt auf zwei schlichte Verkaufstische, in deren Auslagen verschiedene Schneidwerkzeuge, Messer und Scheren liegen. Im Hintergrund rauscht der spitze Klang des Schleifens. Es dauert eine Weile, bis aus dem Nachbarraum, es ist die Werkstatt, Marco Lorenzi, der Chef des Hauses tritt und kurz und knapp sagt: „Guten Tag, was haben wir denn da heute für einen Auftrag?“ Der Kunde öffnet eine Papiertüte, legt ein halbes Dutzend kleinere Messer auf den Tresen. Marco Lorenzi begutachtet die Teile, es kommt zu einer kleinen Fachsimpelei und dann legt er den Abholtermin schnell fest: „In drei Tagen sind die wieder scharf.“ Der Kunde nickt zufrieden. Der Fachmann verpackt die Stück in die mitgebrachte Papiertüte und händigt dem Kunden einen kleinen Zettel aus. „Ich finde es sehr gut, dass es die Schleiferei Lorenzi gibt, ich hasse es, wenn ich in der Küche zu Hause stumpfe Messer und Scheren habe“, sagt der Mann im Gehen und mit einem Blick der Vorfreude, bald wieder solide Werkzeuge aus den Händen des Meisters abholen zu können.

Die Schleiferei Lorenzi ist ein Ort, in dem Handwerk wie früher und bis heute wichtig und leider in diesen Zeiten des Wegwerfens und Neukaufens unterschätzt zu Hause ist. Die historisch wirkende Werkstatt ist ein kleines quadratisches Kabinett ganz in das Grau des ständigen Schleifstaubes gehüllt, die Wände sind geprägt von einem dauerhaften Graublau, die Regale stehen voller kleinteiliger Arbeitsgeräte. Die elektromechanisch angetriebenen Schleifböcke sind in einer Reihe angeordnet für allerlei zu schärfendes Material. In der Mitte des Raumes steht ein weiterer alter Motor Marke Eigenbau (noch vom Großvater).

Der Meister trägt über seiner Brille eine noch größere Schutzbrille und eine Mütze, zudem Ohrenstöpsel, denn das Schleifen kann je nach Auftrag und Dauer des Vorgangs eine überaus laute Angelegenheit sein. Der gelernte Schneidwerkzeugmechaniker agiert überaus besonnen und geschickt, in aller Ruhe und Genauigkeit spitzt er die ihm anvertrauten Werkzeuge wieder zu.

Lorenzi, das klingt nach Italien. „Stimmt, meine Familie väterlicherseits stammt aus Italien, genauer aus Trento, das liegt einige Kilometer oberhalb vom Gardasee“, erzählt der Nachfahre Marco Lorenzi, der in der vierten Generation das kleine Unternehmen als Einzelperson führt. Im Schaufenster des Ladens hängt noch immer eine Ehrenkranz-Grafik mit den Zahlen 1908 und 2008, das war vor zwölf Jahren: also 102 Jahre.

Jetzt ist 2020, das macht 112 Jahre Bestehen Lorenzi. „Ja, das ist mir gar nicht so aufgefallen, uns gibt es schon lange. Mein Urgroßvater aus Italien war der Gründer, der erste Laden war in Falkenstein, später ging es nach Plauen“, sagt der Plauener Lorenzi. Früher hat der heute 48-Jährige nach der Lehre (1985) mit seinem Vater Karl-Heinz zusammengearbeitet. Der Vater starb nach kurzer schwerer Krankheit 2015. „Er hatte Krebs, wobei ich dachte, dass er sich die Krankheit vom vielen Staub in der Werkstatt geholt hat, aber es war nicht so“, so der Sohnemann nachdenklich. Lorenzi Junior gab nicht auf, er übernahm die Werkstatt. „Ich übe den Beruf gern aus, ich bin viel hier und ich merke auch, dass es noch Bedarf gibt, auch wenn die Aufträge zurückgehen“, sagt der Scheren – und Messerschleifer. Früher wurden noch viel mehr Werkzeuge, so zum Beispiel aus der Textilbranche in die kleine Schleiferei gebracht. „Da sind ja viele Betriebe zugemacht worden“, so der Handwerker nachdenklich. Seine treue, heutige Kundschaft besteht aus Fleischereien, einige Textilbuden, die Gastronomie und Hotellerie und eben Privathaushalte, wo die Köche daheim gern scharfe Messer bevorzugen. Das freut Marco Lorenzi, der auf ein „Weiter so“ hofft, denn geschnitten wird ja immer. Bis zu seiner Rente sind es noch etwa 18 Jahre, dann wäre die Firma 130.

 

ohne Worte...

italia  genova impressione
Berlin  Kapitalismus Abschalten
eine Partie Schach und mal kein Internet
Asylbewerber Hungerstreik am Brandenburger Tor
Coachingzone Fußball bei seinen Wurzeln
Berlin Gentrifizierung geschützte Grünanlage was kümmert es
Tiroler Humor
Naturgesetz demokrafischer Wandel nur noch alte Leute Fragezeichen.jpg
Berlin Hautpstadt der Moderne und des make Money
Flüchtlinge Willkommen
Ehrenbürgerin sollte sie sein es lud sie nur noch niemand ein
eine erstaunliche Ausstellung
dem Frieden eine Chance
Kinder sind unsere Zukunft
eins zwei drei
mei kleines Haus mei kleiner Garten mei kleines Glück
Für die soziale Gerechtigkeit
gauck zum gefallen
lauschige museumsnacht.jpg
IMG_4765.JPG
1 aus der Reihe "Schnappschüsse"
2 aus der Reihe "Schnappschüsse"
3 aus der Reihe "Schnappschüsse"
4 aus der Reihe "Schnappschüsse"
 5 aus der Reihe "Schnappschüsse"
 6 aus der Reihe "Schnappschüsse"
7 aus der Reihe "Schnappschüsse"

WEB-Tipp

 

monatliches Archiv