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Kulturzeit – Instrument einer neoliberalen Meinungsmache

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Kulturzeit – Instrument einer neoliberalen Meinungsmache – Zwei Beispiele

Wer eine ausgewogene, interessante, vielfältige Fernsehsendung in Sachen Kultur, Kunst, Politik und Gesellschaft sehen will, findet sie, so die naive Annahme, in der „Kulturzeit“, länderübergreifend von 3sat in Deutschland, der Schweiz und Österreich produziert. Dass die Sendung indes als Instrument von Meinungsmache und Deutungshoheit neoliberaler Ideologie und Lebensart benutzt wird, ist wiederkehrend zu beobachten, kürzlich in zwei Fällen, Stichworte „Russland“ und „Assange“. Im Beispiel Assange schreckt die Sendungsleitung von Kulturzeit nicht vor einer schlimmen Geschmacklosigkeit zurück. Von Frank Blenz  

Russland. Die Sendung „Kulturzeit“ von 3 Sat vom 4. Februar geriet zu einem Schmierenstück ausformulierten Russlandhasses. Der Tenor lautete, dass 1. Russland aktuell ein Land großer Armut in der Welt der Globalisierung sei, dass 2. die Sowjetunion auseinanderbrach und schwere Verwerfungen erzeugte und das aus sich heraus und dass das bis heute so sei, was 3. eine weißrussische Nobelpreisträgerin für Literatur dann im folgenden Interview entsprechend mit ihren Aussagen bestätigen sollte.

Die Redaktion brachte es fertig, ein Konstrukt mittels des Themas Armut zusammen zu zimmern, welches schlicht dazu gebraucht wurde, das heutige Russland mit Butter gebraten in die Pfanne zu hauen. Die Autoren der Sendung boten einen Beitrag über die Armutsforscher Esther Duflo und Abhijit Banarjee, beide Träger des Nobelpreises für Wirtschaft 2019, zum Thema Armut. Danach leitete der Moderator zu zwei Beiträgen über: Die Oper "Boris Godunow" und der Zerfall der Sowjetunion in einen Kontext gebracht. Das wurde besprochen mit Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, einer Schriftstellerin aus Weißrussland. 2015 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Vor allem die An-Moderation nach dem Beitrag über die Autoren und Armutsforscher Esther Duflo und Abhijit Banarjee ließ einen den Kopf schütteln (ab 1:15 min.).:

 „Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander – besonders krass ist der Unterschied in Russland, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion1991 haben die meisten Menschen nicht mehr genug zum Leben gehabt und bis heute ist die Armut hoch.“

Die Kulturzeitredaktion unterließ es, die Ursachen für die sozialen, politischen und ökonomischen Verwerfungen in der Sowjetunion und im nachfolgenden Russland zu besprechen. Sie unterließ es, die Veränderungen und Anstrengungen des Landes zu besprechen, die Menschen in Russland von 1991 in eine bessere Lage zu bringen. Es steht außer Frage, das ist statistisch zu belegen, dass dies gelang. Das Interview mit der Schriftstellerin war eine Abrechnung mit Russland (wieder einmal), visuell platt und geradezu propagandistisch: In der Mitte stand der Moderator, links im zugeschalteten Bild war die Schriftstellerin zu sehen, dann erschien mit einem Mal rechts auf dem zweiten Bildschirm ein großes Foto, bedrohlich wirkend. Wer war zu sehen? Klar: Wladimir Putin. 

Warum gab es den Zerfall der Sowjetunion, warum hat Russland  nach dem Zerfall der Sowjetunion eine solche Krise erlebt? Keine Antwort. Sowjetunion wird vom Sprecher des Beitrages ein Mal gar süffisant zynisch „der erste Arbeiter und Bauernstaat“ genannt. Nichts ist zu hören über Jelzin. Nichts vom gierigen Hufenscharen aus dem Westen, den großen Kuchen Russland unter sich auf zuteilen. Kein Wort, wie dann Putin gegensteuerte und den Ausverkauf Russlands verhinderte.  Im Folgenden wird davon gesprochen, was danach geschah. Im Beitrag, im Anreißer vor dem Interview hört sich das so an.

„Statt Wirtschaftswunder folgt eine der schlimmsten postsowjetischen Wirtschaftskrisen. Sozialleistungen sinken unter das Existenzminimum.“

Es wird seitens Kulturzeit gehöhnt: Für Putin sei der Verlust der Sowjetunion ein Trauma. 69 Jahre nach Ende der Sowjetunion erfolgte das Scheitern imperialer Ansprüche (der Sowjetunion). Dass das große Land solche  d e r a r t i g e n   imperialen Ansprüche gehabt haben soll – es wird kein Beweis geliefert und es gibt auch keinen O-Ton einer Opposition zu solch einer drastischen Aussage.  

 Kulturzeit bietet summa summarum eine „Meisterleistung“ eines Russland-Bashings an. Im Beitrag spricht der Moderator die Weißrussin darauf an, dass Russland ihrer Heimat den Ölhahn zugedreht hat….

Genug. Die Sendung ist ein Desaster.

Diese Arbeit ist keine Einzelleistung, kein Einzelfall, kann ich als Stammseher sagen. Es vergeht gefühlt beinah keine Sendung, in der kein Beitrag Putin, Russland, die Menschen dort, die Kultur in dem Land beschädigen.

Quelle: https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/sendung-vom-4-februar-2020-100.html

Assange. Die Kulturzeit sendet am 6. Februar: „Wir haben in den vergangenen Jahren häufig über Julian Assange berichtet.“ Und weiter: „Jetzt stellt sich heraus, die Vorwürfe gegen in sind konstruiert gewesen.“ Es folgt ein reißerischer Beitrag, der dem Zuschauer den Atem stocken lässt, viele Fakten, alle für Julian Assange sprechend. Man schaut es an, man sitzt danach da und es bleibt einem die Spucke weg, in einem steigt die Wut hoch. Und es kommen Fragen auf: Ist dem so, dass so oft berichtet wurde, vor allem in den vergangenen Wochen und Monaten großer Bedrohung Assanges? (Anwort: Nein.) Warum, wenn „Kulturzeit“ so oft von „Assange in den vergangenen Jahren berichtet hat“, fehlte es an derlei Fakten oder wenigstes Fragen? Und warum kommt Kulturzeit nicht der Aufgabe nach, die der Redaktion als Teil der so genannten „Vierten Gewalt“ im Staat obliegt?  Man bedenke: Die TV-Sendung Kulturzeit auf 3sat gilt als seriöse, anerkannte kulturpolitische Produktion, die montags bis freitags ab 19.20 Uhr zu sehen ist, darüber hinaus moderner Weise „jederzeit im Internet via Mediathek“.   
An meiner Universität wurde einst gelehrt, dass die Medien, die öffentlichen, die Presse, der Rundfunk, das Fernsehen eine so genannte „Vierte Gewalt“ ausüben „Vierte Gewalt“ bedeutet in dieser Wortwahl, dass es in dem gesellschaftlichen System der „Gewaltenteilung“ im Land eine vierte, virtuelle Säule gibt. Neben Exekutive, Legislative und Judikative gibt es also die Medien, die durch ihre Arbeit, sei es die Berichterstattung, die Meinungsäußerung und die öffentliche Diskussion das politische Geschehen beeinflussen können und sollen. Wohl haben Medien eigentlich nicht die Macht wie Exekutive, Legislative und Judikative eine Änderung der Politik oder zur Ahndung von Machtmissbrauch per Beschluss einzuwirken, mächtig ist die vierte Gewalt indes schon. Und tagtäglich erlebt Mediennutzer diese Macht, weil diese Gewalt in der Mehrheit eben nicht unabhängig und frei agiert sondern interessengebunden. Wie anders ist zu erklären, dass eine TV-Sendung wie Kulturzeit, selbst ernannt und verstehend, vielfältig und unabhängig doch immer wiederkehrend Sprachrohr für gewissen Strömungen auftritt, die den Status Quo gegenwärtiger Verhältnisse inklusive der Pflege derer Feindbilder aufrechterhalten hilft.

Quelle: https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/sendung-vom-6-februar-2020-102.html

Die Beispiele Armut Russland, Assange zeigt, dass Kulturzeit kein Bestandteil der Vierten Gewalt darstellt, allenfalls ein Teil der Meinungsmache-Lobby der Eliten. Oder liegt der Autor falsch?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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