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In den letzten Monaten wurde in Österreich die Sozialpartnerschaft wiederholt als Zwangssystem bezeichnet; ihre Finanzierung erfolgt durch den Staat. Auch das entspricht einem neoliberalen Denken. Denn der Markt wird hier in Kontrast zu dem Staat gestellt. Die beliebte Scheinfrage lautet: Wollen Sie mehr Markt oder mehr Staat? Dabei wird im neoliberalen Glauben der Staat als Zwang gedacht; wer hingegen auf dem Markt agiert, macht dies immer freiwillig. Der Markt sei ein Hort der Freiheit. Gewerkschaften sind aber keine freiwilligen Zusammenschlüsse, sondern Organisationen, die gegen den Markt gerichtet sind.
 
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Letzte Landung für Air Berlin

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Air Berlin heißt sie klangvoll – die Luftfahrtgesellschaft mit Sitz in der Hauptstadt, für die Conny Leher aus Plauen als Pilotin 21 Jahre tätig war. Nun landete sie ihren Flieger für diese Airline zum letzten Mal. Air Berlin ist Geschichte.

Plauen/ Berlin – „Bis sie abhebt und sie schwebt. Der Sonne entgegen“, singt Reinhard May in seinem berühmten Lied „Über den Wolken“, das die Leidenschaft, den Traum des Fliegens und der Freiheit so ewig schön lyrisch beschreibt. Dieses Über-den-Wolken-sein erlebt die Plauenerin Conny Leher Dank ihres Berufs Pilot geradezu alltäglich. Nun ist erst einmal Schluss mit der Fliegerei, ihr Arbeitgeber Air Berlin,

den gibt es so gut wie nicht mehr. Wie lange wird die Zwangspause für die Pilotin Leher dauern? Pilotin sein, das ist ihr Traumberuf, ihr Traum, ihre Leidenschaft – Conny Leher flog für die beliebte und an und für sich über Jahre erfolgreiche Fluglinie Air Berlin, die letzte Landung meisterte sie beim Flug München-Berlin. Fest steht, Air Berlin ist jetzt Teil der Fluglinie Lufthansa.

Rückblick. Conny Leher sagt ab und an wie nebenbei: „Ich muss raus – in die Welt.“ Das war früher so und das ist bis heute so geblieben. Zuhause, das war in ihrer Jugend die Südvorstadt, ihre Mutter betrieb an der Oelsnitzer Straße einen kleinen Lebensmittelladen ohne Selbstbedienung, Einkaufszettel, ein Schwätzchen mit der Chefin inklusive. Conny, damals noch mit Familiennamen Wolf heißend, mochte diese Geborgenheit, sie mochte aber auch die Weite. Ihr erster Berufswunsch drückte ihr Fernweh aus: „Ich wollte Auslandskorrespondentin werden. Ich sah damals viel fern und vor allem solche Sendungen wie das Auslandsjournal, in denen diese viel herumreisenden Auslandskorrespondenten aus aller Herren Länder berichteten. Das wollte ich auch.“ Alle Herren Länder? Sie schaffte es anders, ihr Fernweh zu lindern, sie wurde Pilotin. Schritt für Schritt, zunächst nicht mal mit dem festen Gedanken. einen ganz großen Flieger zu steuern. Und das obwohl der Großvater auch schon Pilot war. Leher wurde Flugbegleiterin, sie hatte ein großes Hobby: Fallschirmspringen. Sie erwarb die Privatpilotenlizenz, die ATPL-Air-Transport Pilot Lizenz und schließlich die Musterberechtigung eine Boeing 737 zu führen. Conny Leher war zunächst Copilot, seit 2003 Kapitän. Air Berlin wurde ihre Heimat. Ihre Flugziele hießen von A wie Agadir – bis Z wie Zypern.

Conny Leher heute. Sie will sich nicht äußern über den ganzen Ärger, die Sorge, das Hoffen. Air Berlins Geschichte um Pleite, Übernahmepoker, Übernahme – sie ist seit Wochen sowieso in den Medien als ein nicht seltenes Beispiel turbokapitalistischer Spiele dieser Zeit auf dem Rücken von Mitarbeitern für jedermann zu verfolgen. Die überaus brisante Frage steht in Zeitungen und in Fernsehsendungen geradezu anklagend im Raum: Hat Lufthansa die Übernahme großer Teile von Air Berlin mit Hilfe der Bundesregierung von langer Hand eingefädelt - ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze, Verbraucher und Steuerzahler? Die Frage ist bohrend, es wurde und wird ausgewichen, Experten äußern sich aber aus ihren sicheren Stühlen deutlich. „Man muss schon diskutieren, ob der Deal geschnürt wurde zugunsten von Lufthansa und zu Lasten des Steuerzahlers“, sagt beispielsweise Professor Daniel Zimmer, Direktor des Lehrstuhls für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn in der ZDF-Sendung Frontal 21. Der Experte für Wettbewerbsrecht beobachte seit Jahren, dass im Konkurrenzkampf der internationalen Luftfahrt „die Bundesregierung den eigenen Konzern schützen will“, so Zimmer. Bekannt ist auch, dass eben diese Regierung 150 Millionen Euro der Airline Lufthansa zugab, den Mitarbeitern indes kein Schutzpaket schnürte.

Den Betroffenen wie Leher helfen die Erkenntnisse bisher wenig. Die Plauenerin, die mittlerweile mit Familie in Berlin lebt, hofft, dass es weiter geht, dass den 8.000 Mitarbeitern, von denen bisher 3.000 ein Angebot der Lufthansa gemacht wurde sich neu zu bewerben, eine hoffnungsvolle Zukunft bevorsteht statt das Abschieben ins Ungewisse. Klar und deutlich betrachtet, kommt der Beobachter des Monopoly-Spiels um Air Berlin zum Schluss: Auf der Gewinnerseite befinden sich die Aktionäre und die Manager der Lufthansa. Verlierer sind Tausende Air Berlin-Mitarbeiter ohne Jobaussicht, tausende Air-Berlin-Kunden mit wertlosen Flugtickets und die Bürger, die Steuerzahler.

Conny Leher ist nachdenklich in diesen Tagen, sie ist enttäuscht und hofft doch. Sie mag ein Zitat eines berühmten Unternehmers namens Richard Branson. Der sagte einmal: “Clients do not come first. Employees come first. If you take care of your employees, they will take care of the clients.” Leher: „Ein Arbeitgeber mit dieser Einstellung, das wäre schön.“

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